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Integrale Wald- und Holzstrategie 2050: Analyse aus Sicht der Holzindustrie

Die IWHS lohnt sich, gelesen und ernst genommen zu werden. Die Gesamtschau bringt viel Klarheit und Orientierung, lässt aber auch einiges offen.

Generell haben die Autorinnen und Autoren – das darf gesagt sein – einen guten Job gemacht. Sie legen eine klar strukturierte, verständlich geschriebene Synthese der für das BAFU relevanten Themen von Wald und Holz vor, die sich um verbindliche Aussagen bemüht und vor allem die Zuständigkeiten für die einzelnen Themenbereiche innerhalb der Bundesverwaltung, aber auch darüber hinaus offenlegt. Ebenso sind viele politische Vorstösse integriert, so dass der Eindruck entsteht, dass mit diesem Bericht sowohl politisch wie auch verwaltungstechnisch Ordnung geschaffen wurde. Bemerkenswert ist, dass aus den insgesamt 26 identifizierten Handlungsfeldern der Strategie konkrete Massnahmen abgeleitet und diese sogar zeitlich priorisiert wurden. So lässt sich transparent ablesen, wo das BAFU Handlungsbedarf sieht – und wie die anstehenden Herausforderungen gemeistert werden sollen.

Zusammenfassend darf auch gesagt werden, dass die Interessen der Holzindustrie – Holzmobilisierung und Holzverarbeitung – konsequent mitgedacht wurden. Dabei ist eine wohlwollende Grundhaltung gegenüber unserer Branche spürbar. Die Forderung nach 1 Mio. Kubikmeter mehr jährliche Holznutzung ist – wenn auch lediglich als Willensbekundung - ebenso aufgenommen wie das Anliegen nach einer zukunftsfähigen Waldverjüngung. Gerade hier zeigt sich aber eine Schwäche des Berichtes: Nicht alle Begriffe sind klar definiert. So fordert der Bericht eine weitere Etablierung der Adaptationsprinzipien im Waldbau, ohne die Definition dieser Prinzipien nachzuschieben. Auch spricht er von einer Identifizierung von «klimasensitiven Beständen», wobei nicht klar ist, was das heisst.  Auch finden sich nicht alle in den Handlungsfeldern formulierten Lösungsansätze im Massnahmenkatalog wieder - so zum Beispiel fehlt die Entwicklung eines für die Holzverarbeiter wichtigen Leitfadens mit Empfehlungen und Nachhaltigkeitskriterien für das öffentliche Beschaffungswesen im Massnahmenkatalog, obwohl er im entsprechenden Handlungsfeld in Aussicht gestellt wird. Eher allgemein gehalten ist auch die Auseinandersetzung mit dem Thema «3S» (Sequestrierung, Speicherung, Substitution von Holz). Nicht mitgedacht sind dabei neue Entwicklungen wie die allmähliche Entdeckung von Synergien zwischen Holz und Beton. Fast gänzlich ausgelassen wird das Thema der forstlichen Erschliessung. Zwar ist im Strategiebericht festgehalten, dass im Rahmen der Programmvereinbarung Wald der Ausbau, der teilweise Neubau oder auch die Stilllegung von Waldstrassen weiter zu fördern sei. Konkrete Massnahmen werden daraus aber nicht abgeleitet.

Sehr klar zeigt sich hingegen die Integrale Wald- und Holzstrategie 2050 bezüglich Förderung der Kaskadennutzung. So kritisiert der Bericht offen das aktuelle harmonisierte Fördermodell der Kantone (HFM) für Energieholz, wodurch eine Preisverzerrung zwischen stofflicher und energetischer Nutzung entstehe. Er spricht sich für die Erhöhung des Nutzungsgrades von Energieholz durch Kraft-Wärme-Kopplung aus und sieht den Einsatz von Energieholz vor allem bei Anwendungen, die auf sehr hohe Temperaturen angewiesen sind. Ebenso klar erhebt das BAFU aber anderseits den Anspruch an die Holzindustrie, für sie neue Baumarten und andere Sortimente verarbeiten zu können. Dabei sei die allmähliche Verschiebung der Sortimente bestmöglich auf die Investitionszeiträume der Industrie abzustimmen.

Für die Holzindustrie interessant ist weiter,

  • dass die Schutzwirkung des Waldes im neuen integralen Risikomanagement (IRM) gleichwertig zu den planerischen, organisatorischen und technischen Massnahmen zu berücksichtigen ist. Dies wird – zusammen mit einem ganzen Bündel weiterer, hoch priorisierter Massnahmen – zu mehr Projekten in Schutzwäldern mit einer entsprechenden Umlagerung von finanziellen Mitteln des Bundes und der Kantone führen. Dabei wird im Strategiebericht auch die Optimierung der Synergien zwischen Schutzwaldbewirtschaftung und Holzproduktion gefordert.
  • dass der Bund nicht nur den Anteil von Waldreservaten auf 10% erhöhen will, sondern auch Empfehlungen zur Bewirtschaftung von national prioritären Lebensräumen (NPL) erarbeitet. 
  • dass der Bund mit konkreten Massnahmen die Gewährleistung von zukunftsfähigem Vermehrungsgut unterstützen will. Die WSL fungiert dabei als Koordinationsstelle. 
  • dass das Aus- und Weiterbildungsangebot des Forstpersonals und der Waldeigentümer/-innen im ökonomischen Bereich überprüft und optimiert werden soll. So hat auch HIS in einer Medienmitteilung klare Absprachen zwischen Waldbesitzern und Abnehmern bezüglich Sortimentsbildung, Preis, Zeitpunkt und Bereitstellung gefordert.

Die Verbände werden nun gefordert sein, ihre eigenen Agenden mit der IWHS abzustimmen und Ihre Interessen mit diesen Leitlinien zu verknüpfen. Vor allem aber ist es nun auch möglich, Handlungsversprechen der IWHS beim BAFU einzufordern und die Umsetzung einzelner für die Branche wichtiger Massnahmen aktiv zu begleiten. Da gibt es nun – auch für die Holzindustrie – einige interessante Hebel.

Autor: David Coulin, im Auftrag von HIS